Donnerstag, 9. Dezember 2010

Adventskalender 9. Dezember 2010

In der Aargauer Zeitung von gestern habe ich diesen kleinen Artikel entdeckt:

Der Baum beim Bahnhof Olten

Wahrscheinlich ist es Zufall. Ein Mitarbeiter der Vogelwarte Sempach kommt zum Bahnhof Olten und sieht da auf einem Baum einen kleinen Vogel. Als Ornithologe hat der Mann immer einen Feldstecher dabei. Er schaut sich den Vogel also näher an, und was er da sieht, kann er zuerst kaum glauben: Der kleine, grün-goldene Federball, der da in den Ästen herumhüpft, ist ein Goldhähnchen-Laubsänger. Eindeutig. Und das wiederum ist eine ornithologische Sensation. Denn der Goldhähnchen-Laubsänger stammt aus Sibirien und überwintert eigentlich in China. In der Schweiz wurde er bisher noch überhaupt nie gesehen. Und jetzt tummelt er sich auf einem Baum beim Bahnhof Olten.


Die Schweizer Ornithologen sind untereinander gut vernetzt. Innert Stunden wissen sie vom Goldhähnchen-Laubsänger. Sie lassen alles stehen und liegen und reisen bei Wind und Wetter unverzüglich nach Olten, um den Vogel mit eigenen Augen zu sehen und natürlich zu fotografieren. "Erstnachweis" heisst das im Fachjargon der Ornithologen. Tagelang kommen und staunen die Vogelfreunde. Kälteresistent leisten sie dem Goldhähnchen-Laubsänger geduldig und begeistert Gesellschaft.

Man möchte nun fast schon mitleidig über die Vogelfreaks schmunzeln, die zu Hunderten aus der ganzen Schweiz wegen eines kaum 10 Zentimeter grossen Vögeleins nach Olten rennen und bei dessen Anblick schier aus dem Häuschen geraten. Wie kann man nur? Als ob das wichtig wäre. Ziemlich seltsam gestrickt, diese Ornithologen.

Andrerseits - vielleicht sind wir auch ein wenig neidisch auf die Ornithologen. Wünschten uns auch diese Begeisterung und Leidenschaft, die macht, dass wir alles stehen und liegen lassen und aufbrechen. Weil es sein muss. Jetzt.



Ich finde diese Geschichte so "herzig", dass ich sie unbedingt ganz wiedergeben musste, zitiert wie gesagt aus der Aargauer Zeitung vom Mittwoch, 8. Dezember 2010.

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